Die Automobilbranche wird dieses Jahr mit bis zu 5 Milliarden Euro über die sogenannte Umweltprämie - im Volksmund Abwrackprämie genannt - durch den deutschen Steuerzahler subventioniert. Das macht aus der Rezession zwar noch lange kein neues Wirtschaftswunder und hilft auch nicht, die strukturellen Probleme der Branche anzupacken, sorgt aber zumindest kurzfristig für Absatzrekorde und glückliche Gesichter bei Politikern, Managern und Autokäufern. Dabei gibt es doch auch etliche digitale Produkte, bei denen eine Abwrackprämie jetzt sehr willkommen wäre:
Bild: P1030714 von salukipilot4590 unter CC-BY
Second Life
Nach dem Hype kam der große Katzenjammer, die Ernüchterung war für viele Marken groß. Die Menschheit scheint noch nicht reif für die Idee. Wiedervorlage 2012 - wenn's gut läuft. Bis dahin warte ich auf Facebook.
Online-Banner
Die Klickraten sind schon länger mit 0,18 Prozent im Keller, Search ist längst das dominierende Werbemittel und die User gucken nicht mal mehr hin. Vielleicht sollten Online-Banner zukünftig Google Ad-words buchen, um auf ihr eigenes Angebot aufmerksam zu machen. Oder ein eigenes Profil in Social Communities pflegen.
Klingeltöne
Auch die Kids haben endlich verstanden, dass es Nepp ist, für 30 Sekunden Klingelton-Musik in mäßiger Qualität mehrere Euro zu bezahlen, wenn man den vollständigen Song in jedem Online-Musikshop für 0,99 Euro bekommt. Jetzt muss sich nur noch durchsetzen, dass die Lautsprecher von Mobiltelefonen keine Boombox 2.0 sind.
Webspecials
Wir bauen eine total emotionale Kampagnenwelt, in der man sich dann 5 bis 43 Minuten aufhält bzw. verliert, um dann direkt im Anschluss 15 Freunden von dem Produkt zu erzählen und selber los läuft, um das Produkt im Dreierpack zu kaufen. Das Ganze am Besten in einem Popup inszeniert, damit die Produktexperience auch wirklich optimal am Bildschirm rüber kommt.
Irgendwann musste dieser Werbertraum eben platzen...
DRM-geschützte Inhalte
Man kann Apple, Amazon und Co. nur zu großem Dank verpflichtet sein, dass sie es geschafft haben, endlich Musik von DRM zu befreien. Selbstverständlich soll der Umstand von Urheberrechtsverletzungen und Autorenschutz hier nicht unterschlagen bzw. wegdiskutiert werden. Die Diskussion sollte allerdings konstruktiver nach vorne gerichtet sein und sich in zeitgemäßeren Geschäftsmodellen als bisher äußern. Ich bin gespannt, was wir in den nächsten Jahren noch von der Film- und Buchindustrie erwarten dürfen.
Quizzes auf Facebook
Das ist eher ein frommer Wunsch als ein Faktum. Aber ich prognostiziere, dass spätestens in drei Monaten die ganzen Quizzes im Stil von "In welcher Stadt würdest du wohnen wollen?" überholt sind und sich jeder fragt - wie konnte ich da nur mitmachen. Es ist davon auszugehen, dass es in den nächsten Wochen bereits erste Quiz-Blocker Add-ons für Firefox geben wird.
Meine These: Es handelt sich bei den Quizzes um ein neues Werbemittel für Werbetreibende, da Online-Banner nicht mehr geklickt werden. Die Branche lernt schnell... :-)
Fazit
Nicht jedes Auslaufmodell ist unterstützenswert. Noch treffender bringt es ein Filmzitat aus No Country For Old Men auf den Punkt:
You can't change what's coming.