Am 4. November 2010 erscheint im Hanser Fachverlag das Buch "Online-Produktmanagement" meines geschätzten Kollegen und Freundes Dr. Christian Maaß.

Fachbuch Online-Produktmanagement
Das Buch ist eines der ersten, welches sich vordringlich mit den strategischen Herausforderungen für Online-Produktmanager beschäftigt. Das Vorwort zum Buch findet sich hier. Es hat mich sehr gefreut, als Christian mich bat, ein Kapitel zu seinem Buch beizusteuern.
In drei Teilen beschreibe ich in dem Kapitel "Entwicklung der Markenstrategie von Online-Produkten" die Notwendigkeit selbiger, skizziere ein mögliches Vorgehensmodell und formuliere Erfolgsfaktoren für die Operationalisierung. In den kommenden Wochen werde ich nach und nach die drei Teile in unserem Blog veröffentlichen. Und den ersten Teil gibts heute exklusiv vorab.
Bedeutung der digitalen Markenführung für den Erfolg von Online-Produkten.
Produkte entstehen in der Fabrik, Marken im Kopf. Walter Landor
Wer am Markt erfolgreich sein will, muss Einzigartiges anbieten. Aber noch viel mehr muss das eigene Angebot Probleme lösen und Konsumentenbedürfnisse befriedigen. Das setzt Vertrauen einerseits und Bekanntheit andererseits voraus. Diese Funktionen werden der Marke zuteil. Sie schlägt die immaterielle Brücke vom Unternehmen zum Konsumenten, indem die Marke ein Markenversprechen formuliert, welches ein konkretes Kundenbedürfnis befriedigt.
Produkt und Marke sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen einander. Ein sehr gutes handwerkliches Produkt, welches keinen Konsumentennutzen erfüllt, floppt ebenso am Markt wie ein flott formuliertes Markenversprechen, das sich nicht mit dem Produkt einlösen lässt. Online-Produktmanager müssen sich deshalb bereits vor der Produktentwicklungsphase mit der Markenstrategie befassen. Marken entstehen allerdings nicht von heute auf morgen. Sondern dadurch, dass nach und nach immer mehr Menschen positive Erfahrungen mit dem Produkt sammeln und sich das formulierte Markenversprechen wiederkehrend an allen Touchpoints mit dem Angebot bestätigt. Nach und nach wird die Marke zum immateriellen und glaubwürdigen Träger eines positiven Vorurteils, das sich in Form des Markenimages und der Markenbekanntheit messen lässt.
Ein Beispiel: Amazons Markenversprechen ist es, alle Dinge des Alltags zu besten Konditionen schnellstmöglich und unkompliziert nach Hause zu liefern. Und falls mal etwas wider Erwarten nicht in Ordnung ist oder gefällt, auch kein Problem. Amazon kümmert sich. Der Claim „And you’re done.“ formuliert das Markenversprechen auf den Punkt. Ihr eigentliches Produkt ist im technischen Sinne eine eCommerce- und Logistik-Plattform. Das ist aber nicht der Grund warum Kunden bei Amazon einkaufen. Sondern, weil das Unternehmen gegenüber dem Konsumenten ein relevantes und bedürfnisorientiertes Markenversprechen adressiert und tagtäglich erfüllt.
Je härter der Wettbewerb, desto wichtiger die Marke.
Online-Produkte müssen auf dem härtesten Marktplatz der Welt bestehen – dem Internet. Mit nur wenigen Klicks und Suchanfragen ist man in der Lage, tief in den weltweiten Dschungel von konkurrierenden Produktangeboten einzutauchen – Suchmaschinen wie Google oder Bing sei Dank. Vielen dieser Angebote begegnet man zum ersten Mal. Und allzu oft unterscheiden sich diese in den Produktfeatures nicht signifikant voneinander.
Vergleichen Sie einmal die Angebote verschiedener Internet-Hosting-Provider – zum großen Teil sind diese austauschbar und differenzieren sich ausschließlich über den Preis. Die Folge ist ein ruinöser Preis- und Verdrängungswettbewerb und ein Haufen komplizierter Vertragsklauseln. Auf der anderen Seite sorgt die Digitalisierung und Virtualisierung von Produkten und Märkten dafür, dass die üblichen "Schutzzonen" begrenzter Märkte (Ort, Zeit, Sprache, Verfügbarkeit, Logistik, Vertriebsrechte) nachhaltig erodieren. Die Folge ist eine Wettbewerbsdichte, die Konsumenten wie Unternehmen regelmäßig überfordert.
Genau deshalb liefert die klar positionierte Marke besonders bei Online-Produkten einen immensen Beitrag für den Konsumenten und Markterfolg des Unternehmens. Die Marke reduziert die Entscheidungskomplexität im Kaufentscheidungsprozess dadurch, dass sie
- das Risiko für den Konsumenten minimiert, ein falsches Produkt zu kaufen (Sicherheitsfunktion),
- Orientierung stiftet (Informationsfunktion) und
- den Konsumenten mit der Markenaura emotional verbindet (Beziehungsfunktion).
Unternehmen senken durch eine konsistente Markenstrategie dauerhaft das Risiko der Austauschbarkeit am Markt, binden Konsumenten rational wie emotional an das eigene Produkt und schützen sich besser vor einem ruinösen Preiskampf mit der Konkurrenz.
Da sich bei Online-Produkten die Zielgruppen systemimmanent zu 100 Prozent im Internet finden, wird die digital ausgerichtete Markenführung zum zentralen strategischen Steuerungsinstrument, um den Erfolg von Online-Produkten dauerhaft sicher zu stellen. Digitale Markenführung ist das aktive und zielgerichtete Management der Marke in und mit den digitalen Kanälen. Die Aufgabe und das Ziel der digitalen Markenführung liegt darin, positive Vorurteile gegenüber einer Marke dauerhaft in den Köpfen der Konsumenten zu verankern, indem es ein relevantes und differenziertes Markenversprechen formuliert und umsetzt, um so Marken-Image und –Bekanntheit langfristig zu steigern.
Ein klares und differenzierendes Markenversprechen schützt Unternehmen darüber hinaus vor dem im Online-Produktentwicklungsbereich verbreiteten Phänomen der „Featuritis“ – dem Entwickeln von vom Konsumenten wenig nachgefragten Produkt-Features ihrer technischen Möglichkeit willen.




Foto: Positionierungsworkshop mit Mister Spex.
Logo: Neues Logo der Marke Mister Spex.
