Ich habe einmal bei einer Firma gearbeitet, die eigene Suchmaschinen entwickelte. Ein ganzer Raum war vollgestopft mit Dutzenden von Rechnern, vielen bunten Kabeln, lauter Lüftern die die Wärme zum Fenster heraustransportiert haben und vielen barfuß laufenden IT-lern.
Das war nicht nur ein erheblicher Invest in Material und Energie, die Maschinen mussten außerdem regelmäßig gewartet werden und aufstocken ließ sich so ein System nur durch den händischen Einbau weiterer Rechner bis der Raum voll war...
Mit Googles App Engine kann nun jeder seine Web-Anwendungen auf Googles hochverfügbarer und skalierbarer Infrastruktur laufen lassen. Das klingt erst einmal wenig spektakulär, doch diese Form des "Cloud Computings" kündigt den nächsten Paradigmenwechsel in der Bereitstellung von Software hin zur sog. "Platform as a Service" an. Quasi Softwareentwicklung und Distribution aus der Steckdose.
Das bringt nicht nur etablierte Software-Lizenzmodelle von Unternehmen wie Microsoft durcheinander, sondern senkt nebenbei potentiell auch noch dramatisch die Total Cost of Ownership (TCO) von Software sowie die Eintrittbarrieren für neue Anbieter. Bezahlt wird nur noch was verbraucht wird: Prozessorzeit, Speicherplatz und Traffic. Wenn mehr Ressourcen benötigt werden, können innerhalb von Minuten - statt Tagen oder Wochen - Speicherplatz, Rechenpower und Bandbreite verzehn-, verhundert- oder vertausendfacht werden. Wenn man weniger braucht funktioniert es andersherum genauso. IT-Fixkosten werden variabel! Die erste Kopie einer ausgelieferten Software ist quasi genauso teuer wie die Letzte.
Google mausert sich mit diesem Schritt also potentiell zu einer Art "Super-Hoster" für Web-Anwendungen und ist damit nicht allein. Auch Amazon baut mit Systemen wie S3 (Speicherplatz) und EC2 (Rechenpower) an einer universellen und skalierbaren Infrastruktur für die nächste Generation web-basierter Anwendungen und ist Google derzeit in einigen Aspekten sogar noch eine gute Nasenlänge voraus. Auch Microsoft bastelt mit Azure mittlerweile an einer eigenen Lösung; erwartungsgemäß mit starkem Fokus auf .NET basierten Services.
Alle Anbieter refinanzieren so ein Stück weit ihre Investitionen in ohnehin benötigte Data- und Application-Center, legen aber vor allem strategisch das Fundament für ein "Web als Plattform". Facebook ist beispielsweise derzeit einer der größten Nutzer von Amazons Elastic Computing Cloud, wie Martin Buhr am Rande des diesjährigen Digital Lifestyle Day verlauten ließ und hat damit unter anderem sein enormes Wachstum bewältigt. Anders als Amazon mit der Elastic Computing Cloud setzt Google nicht auf XEN Virtualisierung sondern stellt ein Application Environment bereit, dass zwar ganz überwiegend auf Open Source Technologien fußt, derzeit aber noch auf Python als Programmiersprache beschränkt ist.
Über Konzepte wie "Software as a Service" wird nun sicher nicht erst seit Googles App Engine gesprochen, dennoch dürfte der Markteintritt eines so dominanten Players wie Google durch die enormen "economies of scale" das Gewicht weiter von der Bedeutung lokaler Betriebssysteme und Anwendungen hin zu platformübergreifenden Diensten, die mittels Browser von überall zugänglich sind, verschieben. Ein Aspekt der nicht nur in Googles Strategie passen dürfte, sondern gepaart mit dem Trend zu immer multimedialeren Frontend-Technologien (Flash, AJAX, Silverlight, JavaFX etc.) möglicherweise unsere bisherige Vorstellung von "Software" nachhaltig verändern wird. Interessant ist ferner, das es Google, Amazon und Microsoft sind, die gegenwärtig das PaaS-Modell so stark pushen und nicht die etablierten Enterprise-Mitspieler wie IBM, Oracle oder SAP.
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