Twitter drucken ist wie Architektur tanzen.

Die verzweifelte Suche von Verlagen nach Ansätzen zur Digitalisierung Ihres Geschäftsmodells treibt bisweilen bizarre Blüten. So veröffentlicht die "Welt Kompakt" jetzt auf der Titelseite Ihrer Print-Ausgabe zufällig ausgewählte und leider regelmäßig belangslose "Tweets des Tages".twitter-gedruckt.jpg

Die "Welt Kompakt" demonstriert damit in meinen Augen nicht nur, dass sie das Medium Twitter nicht verstanden hat, sondern ermahnt die Verlagsbranche ungewollt auch dazu, sich auf Ihre Kernkompetenz als Vertiefungs- und Hintergrundmedium zu konzentireren, statt angestrengt jedem digitalen Zug hinterher zu laufen.

Die Revolution von PowerPoint: Prezi.com

Die Revolution von PowerPoint: Prezi.comBild: Die Revolution von PowerPoint: Prezi.com

Mein geschätzter ehemaliger Arbeitskollege Dr. Christian Maaß stieß mich gestern Abend auf ein neues digitales Produkt, welches einen sehr guten Eindruck liefert, wohin sich die Art und Weise, wie wir künftig arbeiten, entwickeln könnte: Prezi.

Prezi ist - stark vereinfacht gesagt - Microsoft PowerPoint ins Internet verlagert, konsequent auf ein sehr einfaches Interface getrimmt und bietet geniale Möglichkeiten der Medieneinbettung als auch der Inszenierung von Inhalten. Also genau das, was man sich eigentlich schon heute von PowerPoint erwartet: Fokus auf den Inhalt, die passende und innovative Inszenierung erfolgt automatisch.

Prezi ist gerade im halb-öffentlichen Beta-Stadium, wir werden es bei nächster Gelegenheit zur Präsentation nutzen. Genial halte ich schon jetzt die tolle Medienintegration und hoffe auf interessante Möglichkeiten des collaborativen Zusammenarbeitens. Erinnert so ein bisschen an Mind Mapping für Präsentationen kombiniert mit einer timeline-basierten Inszenierung á la Adobe Flash. Sehr lässig.

Bekommt den Titel: Tool des Monats. Mindestens.

Wenn das Fernsehen in die Röhre schaut.

Heute bin ich auf eine brandaktuelle repräsentative Studie der Kollegen von Mindline Media aufmerksam geworden, deren Erkenntnisse ich für hochrelevant halte:

parallelemediennutzung_tv.gifStudie von Mindline Media: TV entwickelt sich zum Parallelmedium.

Während die Deutschen vor dem Fernseher sitzen, beschäftigen sie sich kumuliert (und damit ein wenig unfair ;-)) zu 89 Prozent mit anderen Medien. Da diese Medien eine aktive Aufmerksamkeit erfordern, ist anzunehmen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer für das Medium Fernsehen stark nach unten tendiert.

Überspitzt gesagt: Nur 11 Prozent schauen noch unabgelenkt fern, wenn sie fern sehen. Das stützt die These des hohen kanalspezifischen Streuverlusts des Mediums TV.

Um das vorhandene Bedürfnis nach Dialog und Interaktion deutlich besser als heute in Fernsehformate zu integrieren (und damit meine ich nicht noch mehr "Ruf mich an"-Sendungen :-)), bedarf es eines Umdenkens in Medienhäusern:

Hin zu wirklich medienübergreifenden Sendungsformaten basierend auf den interaktiven Möglichkeiten der digitalen Kanäle. Endlich weg mit der immer noch aktuellen singulären Kanaldenke. Sonst wird TV den (unweigerlichen?) Weg vom Parallel- zum Sekundärmedium nehmen.

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