Xbox360 goes (un-)social: Schnittstellen zu Facebook, Twitter und Last.fm - gegen Gebühr.

Mit dem für den 17. November 2009 angekündigten Update des Xbox360 Dashboards führt Microsoft einige interessante Features ein. Allen voran eine Schnittstelle zu drei Social Media Plattformen: Facebook, Twitter und Last.fm.

So wird es ab nächster Woche unter anderem möglich sein, mittels Facebook mitzuteilen, welches Spiel, welchen Film oder welche Musik man gerade auf der Xbox360 spielt/schaut/hört. Oder auf Fotoalben in Facebook über die Xbox360 zugreifen. Oder Twitter direkt von der Xbox aus managen sowie Last.fm Stationen direkt von der Konsole abspielen. Ziemlich cool.

Xbox360 Dashboard Social Media Integration.Bild: Xbox360 Dashboard Social Media Integration.

Leider (und mir völlig unverständlich) wird es diese Social Media Features nur gegen Gebühr (nämlich nur für alle Xbox LIVE Gold Mitglieder) geben. Selbstverständlich ist klar, dass Microsoft ein berechtiges Interesse hat, möglichst viele Xbox360 Besitzer in eine bezahlte Gold-Mitgliedschaft zu konvertieren. Ich bezweifle allerdings, ob das auf diese Art und Weise gelingt und vor allem, ob das derzeit Microsoft's größtes Problem ist, wenn ich auf die aktuellen Verkaufszahlen bei VGChartz für Europa in 2009 schaue.

Verkaufszahlen Europa 2009 auf vgchartz.com.Bild: Verkaufszahlen Europa 2009 auf vgchartz.com.

Ganz im Gegenteil verpasst Microsoft die Chance, seiner Konsolenplattform einen zusätzlichen USP hinzuzufügen, der im Weihnachtsgeschäft durchaus den Ausschlag geben könnte, sich zwischen einer Microsoft Xbox360 und einer Sony Playstation 3 zu entscheiden. Die Nintendo Wii läuft hier meines Erachtens außer Konkurrenz, da sie eine völlig andere Spielerklientel anspricht.

Wenn man analytisch auf die Fakten schaut, ist die Xbox360 nicht mehr ansatzweise so attraktiv wie vor einem Jahr: Sony hat den Preis der Playstation 3 auf 299 Euro gesenkt und bietet darüber hinaus mit dem integrierten Blu-Ray-Laufwerk, dem integriertem W-LAN Adapter und einem kostenlosen Online-Multiplayer-Service sehr gute Argumente, 50 Euro mehr zu bezahlen. Die jüngsten Verkaufszahlen bestätigen dies eindrucksvoll.

Microsofts Gegenargumente beschränken sich auf die (noch) größere Verbreitung der Konsolenplattform und das (noch) bessere Spieleangebot. Da käme die Integration von Social Media Plattformen für die nach Innovationen und Differenzierung suchende Spiele-Community gerade recht. Zumal durch die unzähligen automatisch generierten Posts von Xbox360 Spielern eine ganz neue Dimension von Awareness für die Plattform geschaffen worden wäre.

Meine Prognose lautet deshalb: Spätestens im Frühjahr 2010 wird Microsoft die Social Media Integration freischalten (müssen), da es die Konsumenten verlangen - und zwar kostenlos - und es der Marke Xbox auf diese Weise mehr hilft als auf die andere. Denn was nützen prozentual gesehen mehr zahlende Mitglieder, wenn man gegenüber Sony's Playstation Plattform den ersten Platz als führende Hardcore-Gamer-Konsolenplattform einbüßt?

Darüber hinaus wird auch Sony nicht untätig bleiben und wir können sicher sein, dass sie ihrer Strategie treu bleiben und diese Art von Services von Anfang an kostenlos anbieten. Das Rennen ist also noch längst nicht entschieden. Und Totgesagte leben länger.

PS: Ich bin überzeugter Xbox360 Besitzer und Spieler. Leider nur Silber-Status.

Es dauert ungefähr 31.000 Jahre, das Internet durchzulesen.

Die größten Internetnationen 2009.Bild: Die größten Internetnationen 2009.

Und auch das nur, wenn man nicht mehr als eine Minute Zeit je Website einplant.

Google hat vor einem Jahr die Schallmauer von einer Trillion indizierter Websites (eine Zahl mit 12! Nullen) durchbrochen. Statistisch stehen also jedem der ca. 6,7 Milliarden Erdenbewohner ca. 150 Websites zur Verfügung.

Diese Vergleiche verdeutlichen die schiere Unendlichkeit des Mediums und den permanent steigenden Bedarf nach Filtermöglichkeiten, Orientierung und Sortierung.

Glänzende Aussichten für Suchmaschinen-Betreiber: Je komplexer und umfassender das Netz, desto höher Relevanz und damit Reichweite von Suchmaschinen, desto größer das Wissen über den Konsumenten, desto mehr und besser getargetete Werbung, desto mehr Umsatz.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass derzeit immer noch die Mehrheit der Menschheit - nämlich ca. 5,1 Milliarden Menschen - Offline ist und die Digitalisierung des Wissens gerade erst begonnen hat, lässt sich erahnen, wie exponentiell der Umfang des Netzes in den kommenden Jahren steigen wird.

Die großen Herausforderungen der Organisation des menschlichen Wissens liegen definitiv noch vor uns. Google's Mission wird die nächsten Jahre locker Bestand haben:

Google's mission is to organize the world's information and make it universally accessible and useful.

Wollen wir hoffen, dass das alles gut verschlagwortet wird, damit wir finden, wonach wir suchen und das semantische Web bald wahr wird. Denn sämtliche aktuellen Suchmaschinen sind mit der kommenden Flut von Informationen schier überfordert. Die Menschheit sowieso. Und Angebote wie Wolfram Alpha, Bing, Powerset und Google Squared noch weit entfernt von der notwendigen ersten Generation intelligenter Findemaschine.

Social Communities: Die grauen Herren sind wieder da!

Die grauen Herren kennen wir noch aus dem Film Momo. Heute treten sie in digitalisierter Form als Social Communities auf, in denen man sich freiwillig tagtäglich viel Zeit "stehlen" lässt. Ich bin auf einen Comic gestoßen, der eben diese Wahrheit sehr humorvoll auf den Punkt bringt:

Social Communities: Die grauen Männer sind wieder da!Bild: Comic von phdcomics.com

Und Spiegel Online widmet sich in dem Artikel "Wir lassen es wie Arbeit aussehen" einigen Tools, mit denen man seine Abstecher ins Social Web während der Arbeitszeit perfekt vertuschen kann.

Social Communities haben in der aktuellen Nielsen Studie "Global Faces and Networked Places" private E-Mails als eine der beliebsten Online-Aktivitäten bereits überholt und erfuhren in Deutschland innerhalb der letzten zwölf Monate einen Reichweitenzuwachs von mehr als 50 Prozent. Social Communities beanspruchen bereits knapp zehn Prozent der gesamten Onlinezeit ihrer Mitglieder - Tendenz massiv steigend (+38 Prozent).

Na dann - sehen wir uns doch am besten auf Facebook oder Twitter - aber nur ganz kurz, bitte. :-)

Die Revolution von PowerPoint: Prezi.com

Die Revolution von PowerPoint: Prezi.comBild: Die Revolution von PowerPoint: Prezi.com

Mein geschätzter ehemaliger Arbeitskollege Dr. Christian Maaß stieß mich gestern Abend auf ein neues digitales Produkt, welches einen sehr guten Eindruck liefert, wohin sich die Art und Weise, wie wir künftig arbeiten, entwickeln könnte: Prezi.

Prezi ist - stark vereinfacht gesagt - Microsoft PowerPoint ins Internet verlagert, konsequent auf ein sehr einfaches Interface getrimmt und bietet geniale Möglichkeiten der Medieneinbettung als auch der Inszenierung von Inhalten. Also genau das, was man sich eigentlich schon heute von PowerPoint erwartet: Fokus auf den Inhalt, die passende und innovative Inszenierung erfolgt automatisch.

Prezi ist gerade im halb-öffentlichen Beta-Stadium, wir werden es bei nächster Gelegenheit zur Präsentation nutzen. Genial halte ich schon jetzt die tolle Medienintegration und hoffe auf interessante Möglichkeiten des collaborativen Zusammenarbeitens. Erinnert so ein bisschen an Mind Mapping für Präsentationen kombiniert mit einer timeline-basierten Inszenierung á la Adobe Flash. Sehr lässig.

Bekommt den Titel: Tool des Monats. Mindestens.

Weil einfach einfach einfach ist: Björn Borg's Collection In Action.

Bjorn Borg Collection In ActionBild: Website Bjorn Borg Collection In Action

Eine fast schon unverschämt einfache Idee einfach sehr, sehr gut umgesetzt. Voller Fokus auf die Collection. Sexy, ohne billig zu sein. Linear und trotzdem interessant.

Eine perfekt zur Marke passende Inszenierung und willkommene Abwechselung in Zeiten von User-Generated-Content Overkill-Kampagnen. Fast schon beruhigend und meditativ. Wirkt wie ein "Old-School" Stylo-Webspecial von vor drei Jahren. Irgendwie Retro. Cool! :-)

Kompliment an die Kreativen von FarFar.

Die Wolke. Googles AppEngine und die Zukunft des Web als Plattform.

Ich habe einmal bei einer Firma gearbeitet, die eigene Suchmaschinen entwickelte. Ein ganzer Raum war vollgestopft mit Dutzenden von Rechnern, vielen bunten Kabeln, lauter Lüftern die die Wärme zum Fenster heraustransportiert haben und vielen barfuß laufenden IT-lern.

Das war nicht nur ein erheblicher Invest in Material und Energie, die Maschinen mussten außerdem regelmäßig gewartet werden und aufstocken ließ sich so ein System nur durch den händischen Einbau weiterer Rechner bis der Raum voll war...

Mit Googles App Engine kann nun jeder seine Web-Anwendungen auf Googles hochverfügbarer und skalierbarer Infrastruktur laufen lassen. Das klingt erst einmal wenig spektakulär, doch diese Form des "Cloud Computings" kündigt den nächsten Paradigmenwechsel in der Bereitstellung von Software hin zur sog. "Platform as a Service" an. Quasi Softwareentwicklung und Distribution aus der Steckdose.

Das bringt nicht nur etablierte Software-Lizenzmodelle von Unternehmen wie Microsoft durcheinander, sondern senkt nebenbei potentiell auch noch dramatisch die Total Cost of Ownership (TCO) von Software sowie die Eintrittbarrieren für neue Anbieter. Bezahlt wird nur noch was verbraucht wird: Prozessorzeit, Speicherplatz und Traffic. Wenn mehr Ressourcen benötigt werden, können innerhalb von Minuten - statt Tagen oder Wochen - Speicherplatz, Rechenpower und Bandbreite verzehn-, verhundert- oder vertausendfacht werden. Wenn man weniger braucht funktioniert es andersherum genauso. IT-Fixkosten werden variabel! Die erste Kopie einer ausgelieferten Software ist quasi genauso teuer wie die Letzte.

Google mausert sich mit diesem Schritt also potentiell zu einer Art "Super-Hoster" für Web-Anwendungen und ist damit nicht allein. Auch Amazon baut mit Systemen wie S3 (Speicherplatz) und EC2 (Rechenpower) an einer universellen und skalierbaren Infrastruktur für die nächste Generation web-basierter Anwendungen und ist Google derzeit in einigen Aspekten sogar noch eine gute Nasenlänge voraus. Auch Microsoft bastelt mit Azure mittlerweile an einer eigenen Lösung; erwartungsgemäß mit starkem Fokus auf .NET basierten Services.

Alle Anbieter refinanzieren so ein Stück weit ihre Investitionen in ohnehin benötigte Data- und Application-Center, legen aber vor allem strategisch das Fundament für ein "Web als Plattform". Facebook ist beispielsweise derzeit einer der größten Nutzer von Amazons Elastic Computing Cloud, wie Martin Buhr am Rande des diesjährigen Digital Lifestyle Day verlauten ließ und hat damit unter anderem sein enormes Wachstum bewältigt. Anders als Amazon mit der Elastic Computing Cloud setzt Google nicht auf XEN Virtualisierung sondern stellt ein Application Environment bereit, dass zwar ganz überwiegend auf Open Source Technologien fußt, derzeit aber noch auf Python als Programmiersprache beschränkt ist.

Über Konzepte wie "Software as a Service" wird nun sicher nicht erst seit Googles App Engine gesprochen, dennoch dürfte der Markteintritt eines so dominanten Players wie Google durch die enormen "economies of scale" das Gewicht weiter von der Bedeutung lokaler Betriebssysteme und Anwendungen hin zu platformübergreifenden Diensten, die mittels Browser von überall zugänglich sind, verschieben. Ein Aspekt der nicht nur in Googles Strategie passen dürfte, sondern gepaart mit dem Trend zu immer multimedialeren Frontend-Technologien (Flash, AJAX, Silverlight, JavaFX etc.) möglicherweise unsere bisherige Vorstellung von "Software" nachhaltig verändern wird. Interessant ist ferner, das es Google, Amazon und Microsoft sind, die gegenwärtig das PaaS-Modell so stark pushen und nicht die etablierten Enterprise-Mitspieler wie IBM, Oracle oder SAP.

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